Name: Masdevallia caesia Roezl
Etymologie: caesia = bläulich-grau / graugrün — bezieht sich auf den charakteristischen, bläulich-bereiften Schimmer der Blätter.
Erstbeschreibung: 1883 von Benedikt Roezl im Regel's Gartenflora (32: 342) beschrieben.
Herkunft / Verbreitung: Kolumbien (Endemit in der Cordillera Occidental).
Standort / Habitat: Epiphytisch wachsend in kühlen, extrem feuchten montanen Nebelwäldern der Anden in Höhenlagen von ca. 1.600 bis 2.200 Metern. Sie besiedelt dort schattige Standorte an dicken Ästen und Baumstämmen mit konstanter Nebelbildung und stetiger Luftbewegung.
Beschreibung & Anmerkungen: Masdevallia caesia ist eine der außergewöhnlichsten und spektakulärsten Arten der Gattung. Im Gegensatz zu den meisten aufrecht wachsenden Masdevallia-Arten besitzt sie einen strikt hängenden (pendenten) Wuchs. Die langen, fleischigen Blätter sind schmal-lanzettlich, hängen elegant herab und fallen durch ihre matte, bläulich-grüne bis graue Färbung sofort auf. Der Blütenstand ist ebenfalls nach unten gerichtet und trägt eine einzelne, relativ große Blüte. Die Sepalen sind zu einer Röhre verwachsen, laufen in lange, spitze Schwänze aus und zeigen eine faszinierende bräunlich-gelbe bis dunkelpurpurne Färbung. Die Blüten verströmen einen unübersehbaren, oft als unangenehm empfundenen Geruch, der spezifische Bestäuber anlockt.
In der Kultur muss diese Art aufgrund ihres Wuchses zwingend aufgebunden auf Kork bzw. Rinde oder in hängenden Lattenkörben gepflegt werden. Sie benötigt ganzjährig kühle bis maximal intermediäre Bedingungen, eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit von über 75–80 % sowie eine spürbare Nachtabsenkung. Das Substrat (z. B. eine Unterlage aus Sphagnum-Moos) darf niemals vollständig austrocknen, da die Pflanze keine Speicherorgane besitzt, erfordert jedoch eine exzellente Luftzirkulation.
In-vitro-Kultur: Sie erhalten eine Flasche mit 4 Jungpflanzen. Die Pflanzen sind in der Regel bereits groß genug zum Ausflaschen. Nach dem Öffnen das Nährmedium vorsichtig mit lauwarmem Wasser vollständig von den feinen Wurzeln entfernen und die Jungpflanzen auf feuchtes Sphagnum oder in ein sehr feines, luftiges Substrat setzen. In den ersten Wochen empfehlen wir sehr hohe Luftfeuchtigkeit, kühle Bedingungen und schattiges bis helles, geschütztes Licht. Die Jungpflanzen gleichmäßig feucht halten und für kontinuierliche sanfte Luftbewegung sorgen; später eignet sich wegen des hängenden Wuchses besonders eine aufgebundene oder hängende Kultur.